Bei harten, verschleißbeständigen Schichten geht es um mehr als die Wahl des Pulvers. Ringgeometrie, Grundwerkstoffzustand, Wärmeführung, Schichtstrategie, Bearbeitungszugabe und Prüfung entscheiden, ob eine laserbeschichtete Oberfläche nutzbar ist.

Die anonymisierte Fallstudie zeigt das Laserbeschichten zweier Ringe mit einem verschleißbeständigen Werkstoff: einem Ventilsitzring mit steiler Beschichtungszone und einem Verschleißring mit flacherer Nutgeometrie. Den genauen Werkstoff nennen wir nicht.

Ventilsitzring mit LMD-Beschichtung nach der Farbeindringprüfung
Ventilsitzring nach der Farbeindringprüfung.

Fallüberblick

BauteilklasseVentilsitzringe und Verschleißringe
FunktionVerschleißbeständige Arbeitsfläche – der Wert liegt in Ringfläche oder Nut
ProzessketteLaserbeschichten (LMD)
BeschichtungswerkstoffVerschleißbeständige Hartlegierung (nicht genannt)
Ventilsitz-GeometrieCa. 86 mm Außendurchmesser, 55 mm Innendurchmesser, 11 mm Beschichtungsbreite, Zielschichtdicke etwa 2,5–3 mm
Verschleißring-GeometrieCa. 55 mm Außendurchmesser, 33 mm Innendurchmesser, 8,5 mm Beschichtungsbreite, Zielschicht etwa 1,5 mm
HauptrisikoRisse und Poren durch das spröde Hartstoffverhalten, thermische Spannungen und den Bahnschluss am Ring
Prozessentwicklung und PrüfungKontrolliertes Vorwärmen, Abstimmung von Pulverförderrate und Vorschub, Schichtplanung, Sicht- und Farbeindringprüfung

Beschichten statt neu kaufen: worauf es bei Ringen ankommt

Bei Ventilsitz- und Verschleißringen steckt der Wert in einer kleinen Arbeitsfläche. Ein neuer Ring ist deshalb nicht immer die einzige Lösung. Oft lässt sich eine verschleißbeständige Schicht gezielt auf die richtige Zone auftragen und anschließend prüfen und bearbeiten.

Das Projekt zeigt auch: Härte allein sagt wenig. Eine harte Beschichtung kann trotzdem ungeeignet sein, wenn thermische Spannung, Pulverzufuhr, Bahnabschluss oder Schichtstrategie nicht kontrolliert werden. Wir bewerten harte Beschichtungen deshalb über die ganze Prozesskette – nicht über den Werkstoffnamen.

Ausgangszustand und Geometrie

Die beiden Ringe stellten unterschiedliche Anforderungen an den Auftrag. Der Ventilsitzring erforderte eine kontrollierte Prozesskette auf einem steileren Beschichtungsprofil. Beim Verschleißring ging es um eine flachere Nutgeometrie, bei der Füllung und Oberflächengleichmäßigkeit wichtig waren.

Ventilsitzring vor der LMD-Beschichtung
Ventilsitzring vor der Beschichtung: Profil und Fläche, die aufgebaut werden mussten.
Verschleißring nach der LMD-Beschichtung
Beim Verschleißring ging es darum, die Arbeitsnut zu füllen und eine gleichmäßige Oberfläche zu erzielen.

Bewertete Prozessgrößen

In den Projektberichten haben wir den Einfluss von Laserleistung, Pulverzufuhr, Vorschub, Spotdurchmesser, Vorwärmung und Lagenzahl untersucht. Die genauen Einstellungen bleiben vertraulich. Klar ist aber: Vorwärmen allein löste das Rissrisiko nicht. Pulverrate, Vorschub, Schichtstrategie und Bahnabschluss veränderten das Ergebnis ebenfalls.

Bei der weiteren Entwicklung am Verschleißring zeigte sich: Mit weniger Pulver, moderatem Vorschub und kontrolliertem Vorwärmen gingen die in der Farbeindringprüfung sichtbaren Risse und Poren zurück.

Ventilsitzring nach LMD-Beschichtung vor der Farbeindringprüfung
Nach dem Auftrag entscheiden Prüfung, Nachbearbeitung und Abnahmekriterien über das Ergebnis.

Farbeindringprüfung machte das Ergebnis sichtbar

Die Farbeindringprüfung macht Risse und Poren an der Oberfläche sichtbar. Auf den Fotos zeigen der Ventilsitzring und der Verschleißring im Endzustand nach der Prüfung keine sichtbaren Risse oder Poren.

Ventilsitzring nach der Farbeindringprüfung: keine sichtbaren Risse oder Poren
Ventilsitzring nach der Farbeindringprüfung.
Verschleißring mit weiterentwickeltem Prozess nach der Farbeindringprüfung
Verschleißring mit weiterentwickeltem Prozess: glattere Oberfläche, auf dem Foto keine Rissanzeigen.

Diese Unterlagen brauchen wir für Ihren Ring

  • Fotos von Ring, Arbeitsfläche, Nut, Sitz oder Verschleißzone.
  • Zeichnung oder CAD mit Außendurchmesser, Innendurchmesser, Beschichtungsbreite und Zielschichtdicke.
  • Grundwerkstoff und geforderten Beschichtungswerkstoff, falls bereits spezifiziert.
  • Schadensmechanismus: Gleitverschleiß, abrasiver Verschleiß, Warmverschleiß, Korrosion oder Mischbeanspruchung.
  • Erforderliche Endbearbeitung, geplantes Schleifen, Dichtfläche oder Passung.
  • Prüfbedarf wie Farbeindringprüfung, Mikroskopie, Maßprüfung oder Dokumentation.

Entscheidend ist nicht nur, ob sich eine harte Schicht auftragen lässt. Entscheidend ist, ob Geometrie, Werkstoff, Wärmeführung, Schichtplan, Nachbearbeitung und Prüfung zu einem kontrollierten Beschichtungsprozess zusammenpassen.

Cladding-Prüfung anfragen oder mit der Werkstoffauswahl starten.